Seit einigen Jahren verhandelt der Schweizer Physiotherapie Verband mit Santésuisse über einen ‘fairen’ Taxpunktwert. Der seit 1998 bestehende Taxpunktwert für physiotherapeutische Behandlungen ist aus Sicht des Physiotherapieverbandes und auch aus meiner Sicht nicht in Ordnung.

Kann es wirklich sein, dass alles teurer wird, Physiotherapie aber gleich günstig bleibt?

Die beiden Parteien konnten sich bisher nicht einigen. Deshalb hat der Physiotherapieverband beschlossen, den Tarifvertrag zu künden.

Somit tritt per 1. Juli 2011 ein vertragsloser Zustand ein, was zur Folge hat, dass jetzt viele Physiotherapeuten & Physiotherapeutinnen verunsichert sind und sich fragen, wie es danach weitergeht.

Es gibt gemäss Physiotherapieverband diverse Krankenkassen, die einzelne PhysiotherapeutInnen kontaktierten und ihnen offenbar angeboten haben, mit den Kassen einen Vertrag abzuschliessen, der es den Physios erlauben soll, zu den gleichen Konditionen wie bisher, weiterhin direkt über die Kassen abzurechnen und die Rechnungen dadurch nicht an die Kundschaft senden zu müssen. Anscheinend sollen so weniger Debitorenverluste entstehen. Wenn ich als selbständiger Physiotherapeut also einen solchen Vertrag unterschreibe, zeige ich damit, dass ich mit der heutigen Situation einverstanden bin. In diese Falle werde ich nicht tappen, falls ich ein solches Angebot erhalten sollte.

Gibt es wirklich Physiotherapeuten & Physiotherapeutinnen, die auf diese nicht akzeptable Vorgehensweise einzelner Kassen eingehen?

Der Physiotherapieverband informiert seine Mitglieder laufend via Newsletter / E – Mails / Infoveranstaltung am 15.6. über den Stand der Dinge und das geplante Vorgehen.

Hier  die Medienmitteilungen von Physioswiss und Santésuisse vom 17. 5. zum Tarifstreit:

Medienmitteilung vom Physioverband:

Datum: 17.5.2011 Physiotherapie: tarifsuisse ag rüttelt an der Grundversorgung

Patientinnen und Patienten haben ein Recht auf eine qualitativ vollwertige Leistung, damit sie möglichst rasch wieder gesund werden, und die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten auf eine faire Bezahlung dieser Leistung.

Sursee. Seit über 13 Jahren arbeiten die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in der Schweiz zum gleichen Preis. Der steigende Kostendruck hat den Berufsverband physioswiss, den Schweizer Physiotherapie Verband, gezwungen, zu handeln und den Tarifvertrag mit santésuisse (heute tarifsuisse ag) zu kündigen. In den Verhandlungen hat tarifsuisse ag in keiner Weise die wirtschaftlich angespannte Situation der Physiotherapeuten anerkannt und ist nicht bereit, trotz klarer Faktenlage, einen fairen Preis für die Physiotherapie zu bezahlen – nicht mal der Teuerungsausgleich seit 1998

(letzte Tarifberechnungsbasis) soll gewährt werden.

Die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten erbringen täglich eine wichtige Versorgungsdienstleistung für die Schweizer Bevölkerung. Der Preis, der von den Krankenversicherern dafür entschädigt wird, ist seit 13 Jahren unverändert, und dies trotz steigenden Konsumentenpreisen (seit 1998: +11.5%) und steigenden Löhnen (im Gesundheitswesen seit 1998: +15.6%). Die Kosten (volumenbedingt) für die Physiotherapie haben in den letzten Jahren im Vergleich zum gesamten Kostenwachstum im Gesundheitswesen nur unterdurchschnittlich zugenommen. Die Physiotherapiepraxen stehen vor existenziellen Problemen, da die laufenden Kosten mit den Erträgen nicht mehr gedeckt werden können. Das Wasser steht ihnen bis zum Hals. Eine repräsentative Datenerhebung, die für die Tarifverhandlungen zwischen tarifsuisse ag und physioswiss durchgeführt wurde, hat diesen Umstand bestätigt. Der geforderte Preis von physioswiss entspricht lediglich der bisherigen anerkannten Berechnungsbasis, die mit aktuellen Zahlen unterlegt worden ist. Diese Faktenlage wird von tarifsuisse ag, die rund 65% der Krankenversicherer vertritt, in keiner Weise anerkannt und sie ist nicht zu Verhandlungen über einen fairen Preis bereit. Seit Jahren werden die Physiotherapeuten von tarifsuisse ag in immer wieder aufgenommenen Verhandlungen hingehalten. Leider zeigt die Erfahrung, dass nur, wer vehement fordert und laut schreit, auch gehört wird. Den bescheidenen Physiotherapeuten – aus der Historie heraus ein üblicher Frauenberuf – wird seit Jahren eine vernünftige Tarifdiskussion vorenthalten. Dies zwang die Physiotherapeuten, den Vertrag aufzulösen; ab 1. Juli 2011 herrscht ein vertragsloser Zustand. Die Physiotherapeuten begrüssen es, dass sie künftig die Rechnungen an die Patienten senden können (sogenannter Tiers garant), wie standardmässig im KVG vorgesehen. Damit gibt es endlich die von ihnen längst geforderte Transparenz von Leistung und Entgelt. Die Krankenkassen sind aufgefordert, ohne Verzug – anders, als dies zwischenzeitlich einmal von tarifsuisse ag angedroht wurde – die Patientinnen und Patienten zu vergüten, wie dies die Pflicht der Krankenkassen ist. Es geht nicht an, dass die Krankenkassen die Patienten als Spielball missbrauchen. physioswiss will auch zukünftig eine qualitativ hochstehende Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Physiotherapie und verlangt von tarifsuisse ag, dass die Faktenlage anerkannt wird und ein fairer Preis für die Physiotherapieleistungen in der Schweiz bezahlt wird. Der Verlängerung des heutigen Zustandes ist keine Option und verschiebt noch grössere Probleme auf morgen.

Kontakt: Christian Mehr, Geschäftsführer, 041 926 69 09 / christian.mehr@physioswiss.ch

Weitere Informationen: unter www.physioswiss.ch

Die Physiotherapie ist eine selbständige Disziplin im Bereich der Therapie, die zusammen mit Medizin und Pflege die drei Säulen der Schulmedizin bildet. Sie ist auf die Behebung von körperlichen Funktionsstörungen und Schmerzen ausgerichtet und kommt in der Therapie, Rehabilitation, Prävention und in der Gesundheitsförderung wie auch in der Palliativbehandlung zur Anwendung.

physioswiss, der Schweizer Physiotherapie Verband, vertritt

die Interessen von über 8‘000 selbständig erwerbenden und angestellten PhysisotherapeutInnen in der ganzen Schweiz.

 

Communiqué von Tarifsuisse:

Solothurn, 17. Mai 2011

Physiotherapeutenverband physioswiss fordert jährlich 110 Millionen Franken mehr von der Krankenversicherung

Für die Krankenversicherer ist die Forderung von physioswiss nach einer Erhöhung des Taxpunktwertes um über 20% nicht akzeptabel. physioswiss hat das Angebot von tarifsuisse ag zur Verlängerung des Tarifvertrags zu den bisherigen Bedingungen abgelehnt. Ab 1. Juli 2011 tritt damit auf nationaler Ebene ein vertragsloser Zustand ein. Für die Physiotherapie gilt ab diesem Datum der sogenannte „Tiers garant“, der bedeutet, dass die Physiotherapeuten die Rechnungen direkt an den Patienten stellen müssen.

Die Physiotherapieleistungen sind ein Wachstumsmarkt. Das Bruttovolumen der von den Physiotherapeuten zu Lasten der Grundversicherung verrechneten Leistungen stieg von 475 Millionen Franken im Jahr 2006 auf 551 Millionen Franken im Jahr 2010 (+16%). Im gleichen Zeitraum betrug die Steigerung der Konsumentenpreise lediglich 3.4%. Es ist keine Überraschung, dass dieser Markt für Neueinsteiger attraktiv ist: Trotz des von physioswiss als zu niedrig erachteten Taxpunktwertes erhöhte sich die Anzahl abrechnende Physiotherapiepraxen in den letzten Jahren um ca. 15%. Die von physioswiss geforderte Erhöhung der Entschädigung der Physiotherapeuten steht im Widerspruch zu den Anstrengungen, in der Grundversicherung die Kostenzunahme und damit die Prämienentwicklung zu dämpfen. tarifsuisse ag, welche im Auftrag der ihr angeschlossenen Krankenversicherer die Tarifverhandlungen führt, weist deshalb die Forderung von physioswiss nach einer Erhöhung des Taxpunktwertes um 20% zurück. Diese Erhöhung würde die Prämienzahler um jährlich 110 Millionen Franken zusätzlich belasten. Gestützt auf die Daten zur Marktsituation – Wachstum in den letzten Jahren bereits um 16% – erachtet tarifsuisse ag das Angebot, den Vertrag zu den bisherigen Konditionen zu verlängern, als fair. Als Folge der Ablehnung des Verlängerungsangebotes von tarifsuisse ag gilt ab 1. Juli 2011 für die Physiotherapie der Tiers garant. Das heisst, dass die Physiotherapeuten die Rechnungen direkt an den Patienten stellen. tarifsuisse ag hält das Angebot zur Vertragsverlängerun aufrecht.

tarifsuisse ag ist die grösste schweizerische Leistungseinkaufsgesellschaft der Krankenversicherer in der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP). Sie besitzt einen Marktanteil von rund 70 Prozent. tarifsuisse ag, welche seit 1.1.2011 operativ tätig ist, ist eine 100- prozentige Tochtergesellschaft von santésuisse, dem Verband der Schweizer Krankenversicherer. tarifsuisse ag hat ihren Hauptsitz in Solothurn und Niederlassungen in Zürich, Bern, Lausanne und im Tessin.

Auskunft erteilt:

Juerg B. Reust
Leiter Abteilung Ambulante Versorgung, Mitglied der Direktion
Tel. 032 625 47 10
juerg_b.reust@tarifsuisse.ch

Diese Medienmitteilung können Sie im Internet abrufen unter: www.tarifsuisse.ch